Sauber ist nicht gleich sauber!

Zur Unterscheidung der Begriffe "Steril" und "Desinfiziert.
Steril ist etwas, an dem alle Mikroorganismen, Viren und Bakterien abgetötet wurden. Desinfiziert bedeutet hingegen, dass lediglich die krankmachenden Keime abgetötet oder sogar nur inaktiviert werden. Desinfiziert werden sollten dementsprechend alle benutzten Instrumente, Ringe aber auch die Hände des Piercers, die Hautstelle um das Piercing und auch alle Oberflächen im Studio inklusive des Fussbodens. Instrumente, die mit dem Kunden in Berührung kommen, müssen vor dem Sterilisieren desinfiziert werden, damit wirklich alles 'runter ist und sich niemand beim Hantieren mit kontaminiertem Werkzeug infiziert oder anschliessend andere Dinge verunreinigt. Die Desinfektion ersetzt aber in keinem Fall eine ordentliche Sterilisation, vorzugsweise im Autoklaven (Dampfdrucksterilisator) oder im Heißluftsterilisator durchgeführt.

Warum nun das ganze Theater?

Piercingschmuck wird zum überwiegenden Teil industriell hergestellt, das heißt auf Drehbänken und anderen Maschinen. Anschliessend wird er in einer Poliertrommel mit feinsten Körnern poliert. Dann wird der Schmuck grob gespült und verkauft. Eine Kontrolle auf z.B. messerscharfe Bohrspäne oder fehlerhafte Stücke findet nicht statt. Ebenfalls haftet dem Schmuck meistens gesundheitsschädliches Gewindeschneideöl an, dies gilt auch für »handpolierten« Schmuck - Polierwatte oder Poliermittel sind nichts, was in den Körper eindringen sollte. Sehen kann man diese Anhaftungen übrigens nicht immer.

Piercingschmuck muss erst für Einsatz vorbereitet werden

Im Piercingstudio angekommen, sollte nun der Schmuck erst mal im Ultraschallreiniger für mindestens 10 Minuten mit Desinfektionslösung vorgereinigt und desinfiziert werden. Anschliessend sollte der Schmuck mit destilliertem Wasser abgespült werden, damit sich beim Sterilisieren keine Kalkreste in den Schmuck brennen. Nun wird der Schmuck mit Lupe und Pinzette auf Fehler und Späne kontrolliert - natürlich mit Handschuhen, damit kein Fett an die Ringe kommt.

Nach der Überprüfung und Überarbeitung werden die Ringe vermessen und in entsprechend beschriftete Sterilisiertütchen gepackt. Nun kann alles sterilisiert werden, und selbst nach dem Öffnen des Sterilisators kommen keine Verunreinigungen mehr an den Schmuck. Genauso wird mit dem verwendeten Werkzeug für ein Piercing verfahren, wie z.B. Scheren, Zangen, soweit kein vorsterilisiertes Einwegmaterial verwendet wurde.

Eine Menge Arbeit, die der Kunde nicht sieht. Die Vorstellung, dass der Piercer doch ein ultracooles Leben hat, denn er öffnet ja erst um 12 Uhr sein Studio und kann dementsprechend lange ausschlafen, entspricht nicht der Realität. Bevor es losgeht, ist erst einmal eine sorgfältige Vorbereitung notwendig, die oftmals mehrere Stunden dauert.

Sonderfall: Gold und Silberschmuck

Gold- und Silberschmuck kann nicht im Autoklaven/Heißluftsterilisator sterilisiert werden und muss nach der Materialprüfung daher ein zweites Mal desinfiziert werden. Dieses Mal allerdings nicht so kurz, sondern der Schmuck soll mehrere Stunden in der Desinfektionslösung liegen und danach mit destilliertem Wasser abgespült und sofort verpackt werden. Silberschmuck ist ja generell nicht für den Ersteinsatz geeignet, hochwertiges Gold schon und muss dementsprechend behandelt werden. Schmuck, der in ein abgeheiltes Piercing eingesetzt wird, muss nicht steril sein, desinfiziert aber schon - am besten direkt vor dem Wechsel.

Wie wird richtig sterilisiert?

Die fertig verpackten Sachen werden so in den Steri gelegt, dass die Luft überall entweichen kann und der Dampf bzw. die Heißluft gut alles erreichen kann. Die Sterilverpackungen sollten mit Indikatoren ausgestattet sein, welche die erfolgte Sterili-sation anzeigen - dies ist jedoch kein Sterilisationstest. Nun wird der Steri gestartet und nach Ablauf der systemspezifischen Zeit das getrocknete und abgekühlte Sterilgut rausgenommen und mit Seriennummer und Datum versehen. Je nach Art der Lagerung ist nun zwischen einem Tag und drei Jahren haltbar.

Und dann noch testen? Ob ein Sterilisator wirklich funktioniert, kann man eigentlich nur erahnen. Die Anzeigen an der Front geben genaugenommen nur Anhaltspunkte, ob Temperatur und Druck eingehalten werden. Zur Absicherung, ob der Steri noch funktionstüchtig ist, gibt es spezielle Tests, wie z.B. der "Bowie & Dick"-Dampfdurchdringungstest. Eine wirkliche Kontrolle bietet aber nur der sogenannte Sporentest, bei dem besonders widerstandsfähige Bakteriensporen sterilisiert und anschliessend im Labor (in der Regel durch ein Hygieneinstitut oder Gesundheitsamt) ausgebrütet werden. Erwachen sie wieder zum Leben, dann funktioniert das Gerät nicht mehr einwandfrei, rührt sich nichts, ist alles gut. Vorgeschrieben ist dieser Sporentest nur alle 6 Monate, Das Sporenergebnis wird bescheinigt und sollte aushängen oder vorgezeigt werden können.

Quelle: Tätowiermagazin

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